Gregor Keuschnig (Gast) - 10. Jul, 20:40

Vorschläge

Der Bachmannpreis war nie als ein Wettbewerb für junge Talente gedacht; das Gegenteil war der Fall. Die gewünschten Verbesserungen sind einigermaßen weltfremd; niemand dürfte sich freiwillig in die Karten schauen lassen. Die Ausrede, man lese aus einem Romanmanuskript, darf natürlich nicht Gegenstand für die Beurteilung sein. Ich hatte hier auch schon mal ein paar Vorschläge gemacht.

steppenhund - 12. Jul, 09:04

Das Urteil Weltfremdheit ist etwas hart. Da schlägst Du die falsche. Tatsache ist doch, dass Wettbewerbe im Kunstleben an sich schon Sch... sind. Warum sollte das in der Literatur anders sein als in der Musik.

Kleiner Auszug aus Wikipedia
Prix de Rome
Erste Anläufe
Zu den größten Enttäuschungen Ravels zählt die Tatsache, dass er sich fünf Mal um den „Prix de Rome“ bewarb, doch immer scheiterte. Der „Prix de Rome“ war damals die höchste Auszeichnung für junge französische Komponisten. Im Januar eines jeden Jahres gab es eine Zulassungsprüfung; wer diese bestand, musste sich im Mai einer Vorrunde stellen, in der eine vierstimmige Fuge und ein Chorwerk nach verbindlich vorgegebenem Text verlangt wurden, die in sechs Tagen in Klausur zu fertigen waren. Nur maximal sechs Teilnehmer wurden zur Schlussrunde zugelassen. Hier bestand die Aufgabe in der Vertonung eines ebenfalls vorgegebenen Textes als zwei- oder dreistimmige Kantate. Der Gewinner des „Prix de Rome“ – der erste Preis wurde aber nicht zwingend vergeben – erhielt ein vierjähriges Stipendium für den Besuch der „Académie des Beaux-Arts“.

Im Jahr 1900 bewarb Ravel sich zum ersten Mal. Im März 1900 schrieb er einem Freund:

„Ich bereite mich derzeit auf den Rompreis-Wettbewerb vor und habe mich ganz ernsthaft an die Arbeit gemacht. Mit der Fuge klappt es inzwischen ziemlich leicht, was mir freilich einige Sorgen macht, ist die Kantate.“
Doch Ravel schied schon in der Vorrunde aus; der Preis ging an seinen Freund Florent Schmitt.

„Gédalge hielt meine Orchestration für geschickt und elegant. Und das alles für einen Reinfall auf ganzer Linie. Als Fauré sich für mich einzusetzen versuchte, versicherte ihm Monsieur Dubois (Direktor des Konservatoriums), er mache sich über meine musikalische Begabung Illusionen.“
resümierte Ravel resigniert.

Im gleichen Jahr scheiterte die Teilnahme an einem weiteren Fugenwettbewerb mit null Punkten noch verheerender. Dubois urteilte: „Unmöglich, wegen schrecklicher Nachlässigkeiten in der Schreibweise.“ Infolgedessen wurde Ravel aus der Kompositionsklasse Faurés ausgeschlossen.

Da aber auch Nicht-Studenten sich um den „Prix de Rome“ bewerben durften, nahm Ravel 1901 einen neuen Anlauf. Diesmal schaffte er es bis in die Schlussrunde, musste sich aber am Ende mit einem Kommilitonen den zweiten Preis teilen. Der Sieger hieß André Caplet, den Ravel wiederum als mittelmäßig bezeichnete.

„Fast das ganze Auditorium hätte mir den Preis gegeben.“
notierte er später. So sah es wohl auch Camille Saint-Saëns, der an einen Kollegen schrieb:

„Der dritte Preisträger, ein gewisser Ravel, scheint mir das Zeug zu einer ernsthaften Karriere zu haben.“
1902 und 1903 versuchte Ravel es erneut – und ging leer aus.

Der Eklat [Bearbeiten]
Seine letzte Teilnahme vor Erreichen des Bewerbungshöchstalters ging Ravel 1905 an. Obwohl er als Favorit für den Preis galt, katapultierten ihn zahlreiche Verstöße gegen Satz- und Kompositionsregeln schon in der Vorrunde aus dem Wettbewerb. Den Preis gewann Victor Gallois. Ravels „Fall“ löste eine heftige öffentliche Diskussion aus, weniger über die von ihm vorgelegten Kompositionen als vielmehr über die Frage, wie der Konservatoriums- und Wettbewerbsbetrieb eigentlich gehandhabt wurde. Der in der Presse als „Ravel-Affäre“ bezeichnete Skandal führte letztlich zum Rücktritt von Dubois als Direktor des Konservatoriums. Der Schriftsteller und Musikkritiker Romain Rolland schrieb am 26. Mai 1905 an den Direktor der Académie des Beaux-Arts, Paul Léon:

„Ich vertrete in dieser Affäre absolut keine Interessen. Ich bin kein Freund Ravels. Ich kann sogar behaupten, dass ich persönlich seiner subtilen und raffinierten Kunst keine Sympathie entgegenbringe. Aber der Gerechtigkeit halber muss ich sagen, dass Ravel nicht nur ein vielversprechender Schüler ist, er ist heute schon einer der meistbeachteten jungen Meister unserer Schule, die nicht viele davon aufzuweisen hat. (…) Ravel bewirbt sich um den Rompreis nicht als Schüler, sondern als ein Komponist, der sein Können bereits unter Beweis gestellt hat. Ich bewundere die Komponisten, die es gewagt haben, über ihn zu urteilen. Wer wird nun über sie urteilen?“

Und wie absolut verbohrt und dumm Kritiker sein können, lässt sich an der Beziehung von Hanslick zu Anton Bruckner ablesen.

Leider können die Wettbewerbsteilnehmer nicht so reagieren, wie es einmal Max Reger getan hat, als eines seiner Werke von einem Kritiker verrissen wurde.
"Ich sitze im kleinsten Raum meines Hauses und habe Ihre Kritik vor mir. Bald werde ich sie hinter mir haben."
Teresa HzW - 15. Jul, 18:01

@Gregor Keuschnig

Warum verwenden Sie das Killerargument „weltfremd“? Bei meinen o.g. Überlegungen handelt es sich um Gedankenspiele. Eine Weiterentwicklung und innovative Veränderung täte dem Bewerb gut, das hat nichts "mit in die Karten schauen lassen" zu tun. Insofern habe ich mit wohlwollendem Interesse Ihre Einlassungen und Überlegungen, die Sie bereits 2009, in Ihrem Blog niedergeschrieben haben, gelesen. An Aktualität haben auch Ihre "sieben Vorschläge" nichts eingebüßt.
Eigentlich erschreckend, dass eine Branche, der es ständig um neue und interessante Stoffe, um innovative Gegenwartsliteratur geht, sich selbst mit Veränderungen schwer tut.
Mir scheint, der Literaturberg in Klagenfurt kreist... ;-)
Bleibt der Literaturdiskurs wie er ist, wäre es besser und ehrlicher, ihn als „V e r l a g s -Tage der deutschsprachigen Literatur“ zu bezeichnen.
Teresa HzW - 15. Jul, 18:09

@Steppenhund

Witzig Ihre Verlinkung zur Docu[mentenfabrik ]factory ;-)
Eine sehr gelungene Gl[P]osse, ihn einem Vierbeiner zu verleihen :-)

Was Sie über den Musikpreis „Prix de Rome“ schreiben, erinnert mich daran, dass diese Wettbewerbe – egal welches Thema, welche Profession, welchen Gegenstand sie zum Inhalt haben – immer ähnlichen ungeschriebenen Wettbewerbsregeln und institutionellen Machtspielchen unterliegen. Echte Transparenz herzustellen, gelingt nur äußerst wenigen Preis-Verleihern, weshalb die meisten dieser Wettbewerbe zu medialen Gladiatorenkämpfen verkommen [davon hatten wir beide es ja schon ausführlich in einem anderen meiner Bachmann-Kommentarstränge ;-)].
Allerdings, lieber Steppenhund, Wettbewerbe können auch ihr Gutes haben und sogar lehrreich sein: Im Sport, z.B. Marathon, ist es auch für den Hobbysportler eine gute Gelegenheit, seinem sportlichen, monatelangen Jahrestraining einen krönenden Abschluss zu geben.
In der Literatur, um beim Bachmannpreis zu bleiben, könnte er einen ähnlichen Effekt auf die Teilnehmer haben [so wie früher die Diskussionen der Gruppe 47].
Allerdings schieben sich bei [nahezu allen] Literaturpreisen die wirtschaftlichen Interessen immer stärker in den Vordergrund. Manchmal hat es für mich den Anschein, dass es zunehmend darum geht: Welcher Verlag bringt die meisten Autoren in die Longlist, Shortlist oder den „inner circle“, also den Kreis derjenigen, die für die Jurierung benannt werden.

Es ließe sich darüber in endlos Schleife weiter kommentieren und echauffieren, heben wir uns das ironische Lachen lieber für andere spannendere Themen auf ;-), nächstes Jahr ist auch wieder ein Bachmann-Bewerb. Dann können wir von Neuem über das eine oder andere Aufregthema aus Klagenfurt unseren Kropf leeren ;-)

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