Teresas Bibliothek

"Ich bin kein Mitarbeiter von Amazon, der Lese-Profile erstellt, …. Ihre Bücher-Auswahl macht mich neugierig! Steckt dahinter ein bestimmtes System?"
"Was heißt „Regalmontage hinten links?"
"Nun mussten in ein paar stillen Minuten Ihre Bücher für mich herhalten und selbst bei der formalen Durchforstung des unvollständigen Bestandes lernt man etwas dazu und wird auf manches neugierig."
"Nehmen sie mir meine Annäherung an Ihre Bibliothek also nicht übel, ich bin nicht von der Stasi oder der Securitate…. und ich erstelle auch keine Leseprofile, aber Bücher und Titel reizen mich in jeder Form."
"Was steht in Ihren Regalen vorn?"

So lauten die Auszüge aus drei sehr unterschiedlichen Emails, die ich im Laufe des August zu meiner virtuellen Bibliothek erhielt. Anlass an diesem verregneten Augusttag mich in selbige zurück zu ziehen und Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, einen längeren Text dazu zu schreiben.

Wenn man sich eine literarische "Dichter"-Klause im Internet in Blogform einrichtet, liebe Leserinnen und Leser, dürfen Bücher natürlich nicht fehlen. Sie machen das Heim gemütlich. Sie geben Geborgenheit. UND vor allen Dingen: Sie inspirieren mich! Besonders in Zeiten, in denen einem mal gar nichts einfällt, man sich das Hirn zermartert, wie man nun den Text "xy", ein Feature, eine Kalendergeschichte, einen wissenschaftlichen Essay oder auch mal eine staatstragende Rede beginnt.
Dann ist es gut, vor eines der Regale zu treten und den Blick über die Bücherbände schweifen zu lassen, ein Lexikon zur Hand zu nehmen oder einen Klassiker der Weltliteratur. Darin zu blättern und den Blick hinein zu lenken: in die Welt des 19. Jahrhundert, in die Geschichte Europas oder sich zu erheitern an den Lebensweisheiten von Ringelnatz & Co und über einen Aphorismus von Marie von Ebner-Eschenbach oder von Oscar Wilde nachzudenken.

Bücher, die ich bisher in meine literarischen Blog-Regale stellte, und mit der Montage bin ich noch lange nicht fertig, sind nur ein Bruchteil meiner Sammlung. Sie können mir gern glauben, es ist noch nicht einmal ein Prozent von dem, was an Präsenzbestand überall im Haus verteilt, herumsteht. Es gibt auch keine Bücher, die im Rang vor den anderen stehen und sich daher "in Regalen vorn" befinden. In meinem wahren Leben wie auch in meinem Blog wähle ich beim Kauf von Regalen solche, dass die Bücher nur in einer Reihe stehen können. Diese Anordnung erlaubt mir, wann immer es mir beliebt, mir einen Überblick über eine Regalseite oder ein Regalfach verschaffen zu können. Außerdem kann ich so leichter und schneller wieder umsortieren, den Bestand neu ordnen. Das ist von Zeit zu Zeit notwendig, da Gäste meines Hauses (und ich lade mir gern welche ein), nichts mehr lieben als ebenfalls vor meine Bücher hin zu stehen und zu gucken: "Hast Du wieder umsortiert?!" – "Was liest Du gerade?" – "Ah… das hier, habe ich ja noch nie gesehen." – "Ist das neu?" sagen oder fragen meine Gäste und ziehen das eine oder andere heraus, nehmen es und tragen es im Haus herum, setzen sich auf einen Stuhl oder in einen Sessel, lassen es dort liegen oder stellen es in ein Regal in einem anderen Zimmer wieder hinein. Selbst ins Gartenhäuschen verirren sich manche Bücher und das sind beileibe nicht "Mein schöner Garten"-Ratgeber.

Dort fand ich vorgestern beim Aufräumen unter einem Kissen auf der Eckbank Peter Roseggers "Waldheimat" – die vollständige Original-Ausgabe des Staakmann Verlags. "Nur wenigen deutschen Büchern war ein ähnlicher äußerer Erfolg beschieden wie Rosegger`s "Waldheimat", und nur wenige haben zugleich so tief nach innen gewirkt, vom ersten Tag des Erscheinens an durch Zeiten unerhörter Wandlung hindurch ihre Anziehungskraft unvermindert bewahrt. Das macht keineswegs nur die Seltsamkeit des Lebensweges, den der Waldbauernbub durchwanderte, bis er der in aller Welt gefeierte Ehrendoktor dreier Universitäten geworden war. Wer in der "Waldheimat" den äußeren Einzelheiten dieses Lebensweges nachspüren, hier eine wörtlich zu nehmende Biografie des jungen Peter Rosegger suchen würde, müßte manche Enttäuschung erfahren. "Diese Erzählungen gehören", nach des Dichters Willen, "zu jenen Poesien, die Dichtung nach der Wahrheit oder Wahrheit in der Dichtung sind. Sagen wir nicht Wahrheit und Dichtung, sondern Wahrheit in Dichtung." Und der Zauber ihrer Wirkung erklärt sich nicht aus dem Stoff, er kommt aus der Seele, die diesen Stoff durchdringt, verklärt, verewigt." – so heißt es im Klappentext des Buches, den ich Ihnen gerade "vor-lese", meine lieben Blogleserinnen und Blogleser. Sehen Sie und so schnell passiert es einem, dass man über seine Bibliothek schreiben möchte, seine virtuelle Blogbibliothek erklären möchte und "ehe man sich versieht… Schwupp-di-Wupp" ist man wieder drin… mittendrin mit seiner Nase im Buch und beginnt zu lesen… weil jenes Buch, Rosegger`s "Waldheimat" hier noch auf meinem Schreibtisch liegt, ich es noch nicht wieder einsortierte ins Regal.
Was ich jedoch sofort tun möchte… nun aufstehe und zum Regal "rechts außen" gehe und es zu den anderen stelle, die ich heute Morgen für Sie schon herrichtete, um diese morgen nach der Regalmontage "rechts außen" meiner virtuellen Bibliothek hier hinzu zu fügen.

Sicher, ist Ihnen allen, damit schon längst klar geworden, dass es sich bei diesem Stichwort "rechts außen" nicht um einen Begriff aus der Welt des Fußballs handelt. Genau, es handelt sich um die Erweiterungen meiner Bibliothek durch neue Regale. Ich baue meine realen Regale ab und hier im Internet, in meiner virtuellen Schreibkemenate, sukzessive auf. Damit ich weiß, was zusammengehört, male ich mit Kreide diese Stichworte auf: "Mitte links, oben rechts..usw. usf."
Allerdings – manchmal gibt es Regalfächer, in denen Bücher bis zum Ende des Faches (und somit zum Beginn des nächsten Faches) über die Stehenden liegend darüber gestapelt sind, in der Art und Weise, dass jeder Betrachter, der vor einem Regal steht, auch diese Buchtitel lesen kann, ohne den Kopf schräg zur Seite legen zu müssen. Wie ich diese hier im Blog unterbringe, weiß ich noch nicht, liebe Leserinnen und Leser, das macht mir noch Kopf zerbrechen.
Und ich möchte Ihnen eines verraten, eine klitzekleine Ausnahme gibt es: Die 20 Bände der "Welt- und Kulturgeschichte" aus dem "Die ZEIT"-Verlag stehen in meiner realen Bibliothek in doppelter Reihe hinter einander, d.h. die Bände eins bis sechs sowie elf bis neunzehn werden durch ein paar dieser Bände und durch einige Jahrbücher der Deutschen Schillergesellschaft verdeckt.

Jetzt, wo ich davor stehe, sehe ich erst die Staubschicht, die sich hier schon wieder angesammelt hat. Ich puste lieber nicht hinein, sonst bekomme ich nämlich einen Niesanfall, weil eigentlich habe ich eine Allergie… eine "Archivar-Allergie", den medizinischen Fachausdruck erspare ich Ihnen lieber…
Denn es ist so, wenn ich mich zu lange in alten Universitätsbibliotheken aufhalte, reagiere ich allergisch und werde krank…
Ja,ja, liebe Leserinnen und Leser, Sie werden es kaum glauben: Jedoch, es ist, als ob mich ein schwerer Grippe-Virus befallen hätte: Ich reagiere mich Husten, Schnupfen, Heiserkeit und bis ich nachhause komme, hilft nur noch ein starker Grog, eine Wärmflasche und zwei Tage Bettruhe. Das Bibliotheks-Fieber mag binnen ein, zwei Stunden auf vierzig Grad ansteigen… wurde mir sogar schon einmal lebensbedrohlich…
Es hilft dann nur eins… nach der Bettruhe: ein paar Tage Abstinenz von der Bücherwelt, so schwer mir das auch fallen mag, und viel Aufenthalt an der frischen Luft mit wandern, radeln oder Gartenarbeit.

Wer weiß, wenn ich so darüber nachdenke, vielleicht war ich es doch selbst, die neulich, nach der kleinen Allergie-Attacke mit Roseggers Waldheimat schnell ins Gartenhaus flüchtete, wo durch die zugigen Bretterritzen der Lufthauch der [Post]Moderne herein weht…

In diesem Sinne,
hoffe ich, für alle interessierten Besucherinnen und Besucher meiner virtuellen Blog-Bibliothek etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben, und wünsche Ihnen allen einen schönen [Lese]Nachmittag.
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