Protestler-Gedenken

Was wäre unser Land ohne seine Protestkultur!?

Zwei haben diese in den letzten Jahrzehnten entscheidend mit geprägt. Ihre Texte rüttel[te]n wach und mach[t]en zugleich Mut. Ihre Musik wirkt[e] trotz aller gerechtfertigter Sozial-, Politik- und Gesellschaftskritik dennoch versöhnend.
Zwei, die in dieser Republik nicht fehlen durften:
Wolf Biermann und Franz Josef Degenhardt.
Dem einen gebühren alle guten Wünsche zu seinem heutigen 75. Geburtstag. Vom anderen heißt es, Abschied nehmen, da er gestern von uns ging.


Nicht auf bessre Zeiten zu warten, gemahnte uns früh schon der junge Biermann, wie folgende NDR-Fernsehaufzeichnung aus dem Jahr 1976 zeigt. Auch nach 35 Jahren hat der alte Song nichts an Aktualität eingebüsst, im Gegenteil...



Wolf Biermann gab dem Evangelischen Pressedienst ein interessantes Interview, hier nachzulesen.


Beschämend!
Die großen Zeitungen finden nur wenige Zeilen auf den großen Liedermacher Franz Josef Degenhardt.
Immerhin... die eigene Regionalzeitung Stuttgarter Zeitung widmet ihm einen ehrwürdigen, persönlichen Nachruf.

Ein Klick auf die jeweils rot markierten Worte führt Sie zu den verlinkten Texten.

Erheben wir das Glas auf die beiden Protestler mit einem Lied des Verstorbenen...

1631 mal gelesen
schneck08 - 15. Nov, 11:36

Schön, dass Sie erinnern! Gerade in diesen Zeiten...!

Teresa HzW - 15. Nov, 12:04

Auch wenn es "platt" klingt: Es war mir einfach ein Bedürfnis, lieber Schneck! [obwohl ich eigentlich einen anderen Beitrag vor hatte... naja, der muss jetzt eben warten]
steppenhund - 15. Nov, 14:17

Ich finde es merkwürdig, dass ich mit Degenhardt so viel mehr anfangen kann als mit Biermann. Das wiederholt sich auch wieder beim Lesen der zwei Links.
Dabei kommt Biermann viel versöhnlicher rüber.
Wirklich merkwürdig ist das.... (kopfschüttel)
Aber es ist auch so, dass mir die Lieder vom Degenhardt besser gefallen;)

Teresa HzW - 15. Nov, 17:54

Degenhardt und oder Biermann

Ob Sie es glauben oder nicht, mir ging es heute Morgen ein wenig so, wie Sie es hier beschreiben, lieber Steppenhund: Der Degenhardt ist mir ebenfalls näher wie der Biermann. Vielleicht weil der Verstorbene eben seinen Protesttexten eine andere Stimme verlieh, wie Biermann. Die Texte eines [frühen also jungen] Wolf Biermann sind zudem sehr aus seiner DDR-Sozialisation gespeist. Insofern konnte ich früher, vor Jahrzehnten, mit ihm nicht so sehr viel anfangen. Heute, wenn ich den „gereiften“ Biermann höre, verhält sich das anders. Dennoch gefallen mir manche Lieder von ihm gar nicht, da greife ich dann auf die Interpretation anderer Singer-Songwriter zurück, wie etwa beim Lied „Trotz alledem“ [das ich ursprünglich einstellen wollte]. Bei dem Song gefällt mir die Version von Hannes Wader am besten, der einfach stärker der mir vertraute West-Protest der 1960/70iger Jahre auf die Stirn geschrieben steht.
Bei Degenhardt wählte ich als Hörbeispiel den „Weintrinker“, ein nachdenklicher Text eigentlich, eine Persiflage auf die Lebensumgebung, die dennoch eine heitere Note, wie die Schmuddelkinder auch, im Nachgeschmack hat.
Irgendwie habe ich grad Lust, meine alte Klampfe raus zu holen und ein paar dieser alten Prostestsongs anzustimmen ;-)
[wenn ich ned noch a bisserl was schaffen müsst *seufz*]
Bubi40 - 15. Nov, 14:36

olle josef ist dabei ...

lassen wir die gläser klingen ... auf das, was wir lieben ... und das ist auch die kunst von Wolf Biermann, der für uns jugendliche damals in der DDR so etwas war wie der verbotene messias, der fast abgöttisch geliebt wurde. seine titel wurden im "westrundfunk" mitgeschnitten, und dann zig und zig mal kopiert, bis man den text fast nur noch ahnen konnte. hin und wieder tauchte auch einmal eine "schwarze scheibe" auf, die dann auch zum kopieren herumgereicht wurde. seine musik gab kraft, trost und auch oftmals ein lächeln, und er war gewissermaßen der geheime "spiritus rector" einer ganzen protestgeneration, der aber immer auch ein mensch war ... ein vorbild vielleicht, sicher aber ein ideal.
und auch das ist Wolf Biermann :



von Franz Josef Degenhardt, der ja so mehr der barde der 68er in der Bundesrepublik war, gab es bei uns kaum etwas. sehr bekannt waren die "Schmuddelkinder".
aber, als exquisiter protestler verdient er, dass man auch auf ihn anstößt.
prosit, frau teresa !!!

Teresa HzW - 15. Nov, 17:35

Zeitzeug-inn-en

Es ist immer toll, wie Sie, lieber Josef, stellvertretend für die Erlebnisgeneration jener Zeit, hier Ihre persönlichen Eindrücke nieder legen. Da fühle ich mich sehr geehrt, da dies einfach den chronistischen Charakter, den meine Wiederworte nun irgendwie manchmal doch haben, enorm aufwertet. Ihre Kenntnisse vermitteln aus erster Hand wie das war, damals, wie man im andern Deutschland dachte, was man dort [er]lebte.
Das klingt für unsereiner, die wir damals auf dem Land, in der finsteren Einöde der dunklen Wälder, selbst abgeschirmt von der großen weiten Welt da draußen lebten, wie die Erlebnisse von einer anderen Galaxie.
Es mag für Sie oder auch für andere Leser[innen] hier vielleicht unglaublich klingen, wenn ich schreibe, dass uns [Hinter]Wäldlern [so fühlten wir uns in den 1960iger Jahren oftmals] die Geschehnisse im benachbarten Prag, in der [damals hieß es noch] Tschechoslowakei, in Österreich oder bei den Russen näher standen wie jene, die sich nur zweihundert Kilometer nördlich, oberhalb unseres Waldes im zumindest eigenen Sprachraum jenseits der Mauer abspielten. Ganz abgesehen davon, dass wir das überhaupt nicht mitbekamen, da hinten unten in unserem „Woid“, was sich im anderen Deutschland abspielte. Was vielleicht auch daran lag, dass es die Jahre des Kalten Krieges waren – auch noch als ein Wolf Biermann „rüber“ machte [so sagte man wohl damals] – und unsereiner immer auf dem Sprung, quasi auf gepackten Koffern saß – aus Angst davor, dass „der Russ` einmarschiert“. Noch Ende der 1970iger Jahre wurden entlang der Bundesstraßen in meiner Waldheimat, Kanalschächte so ausgelegt, dass sie jederzeit mit Sprengsätzen befüllt werden konnten, für den Fall, dass aus dem Osten, aus Prag, die Panzer herüber rollen…
Ja so war das damals, noch bis zu Beginn der 1980er Jahre hinein. Auch wenn sich das jüngere Leser[innen] hier kaum vorstellen können.
Insofern erheben wir unser Glas darauf, dass wir diese Zeiten – friedlich – hinter uns gebracht! Auch dank eines Wolf Biermann, eines Franz Josef Degenhardt und wie sie alle heißen.
Proscht, lieber Herr Josef.

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